Es gibt Momente, in denen man kurz innehält und denkt: Wie ist das eigentlich passiert?

Ich sitze gerade an meinem Schreibtisch, schaue in den Kalender – und lächle. In einer Woche fahre ich an die Küste. Die Woche darauf stehe ich zwischen Weinbergen bei Heilbronn, auf dem Gelände eines Technologiekonzerns. Dazwischen: Workshops, Gespräche, Fragen, die mich selbst weiterbringen. Das ist mein Alltag geworden. Und ich bin ehrlich gesagt immer noch ein bisschen fassungslos darüber, wie schön er sein kann.

Der Sprung ins kalte Wasser

Es hat Mut gebraucht, mich selbstständig zu machen. Mehr, als ich mir damals eingestanden habe. Als Journalist hatte ich gelernt, Dinge zu hinterfragen, zu analysieren, einzuordnen. Aber das eigene Leben neu zu ordnen – das ist noch einmal etwas anderes.

Künstliche Intelligenz war für mich schon früh mehr als ein Technologiethema. Es war und ist ein gesellschaftliches Thema. Ein Thema, das die Art und Weise verändert, wie wir arbeiten, kommunizieren, entscheiden und denken. Wer als Journalist nicht versteht, was KI tut und kann, versteht die Gegenwart nur zur Hälfte. Das war mein Antrieb – und irgendwann wurde daraus eine Mission.

Heute helfe ich Menschen, KI zu verstehen. Nicht als abstraktes Versprechen irgendwo in der Zukunft, sondern als konkretes Werkzeug im echten Arbeitsalltag. Sinnvoll einsetzen. Effizient nutzen. Sicher bleiben. Das sind die drei Leitlinien, die ich in jeden Workshop, jeden Vortrag, jedes Gespräch mitbringe.

Was mich wirklich überrascht hat

Ich dachte, ich würde hauptsächlich in Konferenzräumen sitzen und Folien zeigen. Das tue ich auch – aber das ist längst nicht das Entscheidende. Das Entscheidende sind die Menschen.

Ich habe mit Galabauern über KI gesprochen. Mit Mitarbeitenden und Entscheidern in Behörden, die unter Druck stehen und dringend Orientierung brauchen. Mit Fachleuten in Verbänden, die wissen, dass ihre Branche sich verändern wird, aber nicht genau wissen wie. Mit Interessierten in Service-Clubs wie den Lions, die private und berufliche Neugier mitbringen. Mit Menschen aus der Industrie, der Unternehmenskommunikation, der Wohlfahrtspflege.

Jede Gruppe ist anders. Jede Gruppe bringt andere Fragen, andere Ängste, andere Vorerfahrungen. Und genau das macht diese Arbeit so außergewöhnlich reich.

Ein Landschaftsgärtner fragt sich, ob KI seine Kalkulation übernehmen kann – und ob er ihr vertrauen darf. Eine Sachbearbeiterin in einer Behörde will wissen, wie sie mit KI-generierten Texten umgehen soll, wenn sie nicht sicher ist, ob der Inhalt stimmt. Ein Kommunikationsverantwortlicher bei einem Verband fragt, wie er seine Kolleginnen und Kollegen mitnehmen kann, ohne sie zu überfordern. Das sind echte Fragen. Wichtige Fragen. Und jede verdient eine ehrliche Antwort.

Küste und Weinberge

In einer Woche fahre ich ans Meer. Ich weiß noch nicht genau, was mich dort erwartet – aber genau das ist das Schöne. Neue Menschen, neuer Kontext, neue Perspektiven auf ein Thema, das ich zu kennen glaube und das mich trotzdem immer wieder überrascht.

Und dann, eine Woche später, Heilbronn. Weinberge, Technologiekonzern, eine völlig andere Welt – und doch dieselben Grundfragen: Was kann KI? Was sollte sie tun? Wie gehen wir verantwortungsvoll damit um?

Ich liebe diesen Kontrast. Die Küste und die Weinberge. Der Gärtner und der Konzernmitarbeiter. Die ehrenamtliche Helferin bei einer Wohlfahrtsorganisation und der Entscheider mit Millionenbudget. KI ist kein Nischenthema mehr. Sie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen – und dort, genau in dieser Mitte, arbeite ich.

Anstrengend? Ja. Bereichernd? Unbedingt.

Wäre es unehrlich, nicht zu erwähnen, dass es manchmal anstrengend ist? Ja, es ist anstrengend. Ständig unterwegs sein, sich auf neue Gruppen einlassen, flexibel bleiben, immer wieder erklären, immer wieder zuhören, immer wieder lernen.

Aber jede Müdigkeit nach einem langen Workshoptag hat eine andere Qualität als die Erschöpfung, die ich aus anderen Phasen meines Lebens kenne. Es ist die Müdigkeit, die entsteht, wenn man etwas Sinnvolles getan hat. Wenn jemand am Ende sagt: „Jetzt verstehe ich das zum ersten Mal wirklich.“ Wenn ein Raum voller Skepsis am Anfang am Ende voller Fragen ist – neugieriger Fragen, nicht ängstlicher.

Das ist es, wofür ich aufstehe.

Danke

Ich bin dankbar für den Mut, den ich damals aufgebracht habe. Dankbar für alle Menschen, die diesen Weg mit mir gehen – als Teilnehmende, als Auftraggeber, als Gesprächspartner, als kritische Stimmen. Und ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen. Die Küste. Die Weinberge. Und alles, was danach kommt.


Du möchtest KI in deinem Unternehmen, deiner Organisation oder deiner Branche besser verstehen? Dann schreib mir – ich freue mich auf das Gespräch.